
Kronen Zeitung
EMOTIONALER COACH
Kühbauer unter Tränen: „Der wichtigste Mensch!“
Zunächst rannte im Sky-Interview noch der Schmäh („Am liebsten würde ich alle meine Spieler adoptieren“), aber beim Gedanken an seine Frau kamen Didi Kühbauer die Tränen: „Sie ist der wichtigste Mensch für mich!“
Anfänglich wirkte er noch recht gefasst. Didi Kühbauer gab sich bei Moderatorin Constanze Weiss und Experte Andi Herzog fast staatsmännisch. „Im Leben“ hätte „kein Mensch, auch ich nicht“ geglaubt, dass der LASK nach diesem Saisonstart noch Meister werden könne. „Ich freue mich riesig“, sagte Kühbauer: „Es fällt so viel Druck von mir ab. Als ich kam, ging es eigentlich ums Überleben. Es war schon schwierig genug, dass wir ins obere Play-off kommen. Jetzt bin ich so stolz auf diese Mannschaft. Am liebsten würde ich alle meine Spieler adoptieren.“
Tränen für die Frau
Dann gab‘s einen (zumindest für die Öffentlichkeit) untypischen Kühbauer. Angesprochen auf seine Frau und seine beiden Töchter, der er nach Schlusspfiff herzhaft abgebusselt hatte, gab sich der frischgebackene Meistertrainer ungewohnt emotional. Die Stimme stockte, die Tränen schossen ihm ein. Seine Frau Ingrid sei „der wichtigste Mensch für mich“. Er wolle sich herzlich bei ihr bedanken.
In seiner zweiten Amtszeit im schwarz-weißen Linz hat Kühbauer also den LASK in ungeahnte Höhen geführt. Nachdem der 55-Jährige im Vorjahr schon beim WAC zu gefallen wusste, führte er die Athletiker heuer verdientermaßen zum historischen zweiten Double der Vereinsgeschichte. Dass der Kader der Oberösterreicher das Potenzial für ganz oben hat, war unbestritten. Kühbauer kitzelte mit Autorität, Authentizität und einer Prise Schmäh aber die Meisterform aus den Profis heraus.
So wie einst der Tscheche Frantisek Bufka in der Double-Saison 1964/65 musste Kühbauer das wankende Schiff LASK erst auf Kurs bringen. Die Ausgangslage ist bekannt: Die Athletiker rangierten Anfang Oktober nur am vorletzten Tabellenplatz, der Sprung in die Meistergruppe schien nicht realisierbar. Was folgte, war ein bemerkenswerter Lauf unter dem Burgenländer. Der Punkteschnitt des LASK liegt seither bei deutlich über zwei Zählern, Platz eins ist dem neuen Meister in der „Kühbauer-Tabelle“ ohnehin sicher.
„Froh, dass wir ihn haben“
„Er ist der richtige Trainer für uns, wir sind froh, dass wir ihn haben“, sagte Sasa Kalajdzic nach dem Titelgewinn im ÖFB-Cup. „Er hat eine gewisse Autorität, jeder Spieler hat Respekt und weiß, dass er Gas geben muss“, erklärte der Teamstürmer, der im Frühjahr aufblühte.
Auch bei Samuel Adeniran traf Kühbauer scheinbar den richtigen Ton. „Er hat uns sehr gut geführt. Er glaubt an uns als Team und als Spieler. Und er hat uns Selbstvertrauen gegeben – das Selbstvertrauen, auf den Platz zu gehen, einfach Fußball zu spielen und Spaß daran zu haben. Ich glaube, das ist die beste Art, Fußball zu spielen: einfach so zu spielen, wie man es als Kind getan hat, und Spaß daran zu haben. Ich glaube, dass er eine sehr gute Mentalität und viel Selbstvertrauen in die Mannschaft gebracht hat“, meinte der US-Amerikaner.
Kühbauers Kampf gegen die „Schublade“
Kühbauer selbst betont, es gehe darum, „die Spieler kennenzulernen und zu verstehen“. Während der WAC diese Saison abstürzte, blühte Linz auf. Der 55-Jährige galt schon als Aktiver als klassischer Heißsporn, auch als Coach eilte ihm lange der Ruf voraus, an der Seitenlinie zu impulsiv zu agieren. Als emotionaler Trainer galt er lange. Heute spricht er von einer „Schublade“, in die er aufgrund seiner Vergangenheit als Profi gesteckt wurde. Sein hitziges Temperament scheint, wie nach dem Cup-Viertelfinale in Ried, immer noch durch. Attestiert wird dem nicht gerne in der Öffentlichkeit stehenden Kühbauer aber, in den vergangenen Jahren ruhiger geworden zu sein.
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Bild: APA/MAX SLOVENCIK














